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The Real McCoy beim Blogwichteln mit: schnipsel und kanäle

 

meine riesin hat mich wieder gebeten, etwas für eine ihrer riesenkolleginnen aus dem schreiberinnenrudel (www.texttreff.de) zu schreiben, weil die sich vor diesem fest mit dem baum immer gegenseitig was schenken (Blogwichteln). letztes jahr war ich ja bei nora zu gast und hab was übers buddeln geschrieben (noraguenter.de) und jetzt bin ich hier in kathrins virtueller hundehütte –  die heißt medienschnipsel. was medien sind, weiß ich nicht so genau, also schreib ich doch was über schnipsel:

ich mag schnipsel. also, vor allem mag ich sie, bevor sie schnipsel sind, also zum beispiel so aussehen:

immer wenn der mann im gelben fell kommt, stehe ich schon an der tür und mache die eingangskontrolle. zum beispiel prüfe ich genau, ob das paket unversehrt ist und ob es lecker riecht. leider ist fast nie ein paket für mich dabei. aber wenigstens kann ich immer, auch wenn das paket nicht für mich war, einer äußerst wichtigen aufgabe nachkommen: ich helfe nämlich der riesin beim zerkleinern des kartons, damit das zeug besser in die altpapiertonne passt, schaut mal hier:

ich schnappe mir den karton und mache besonders formschöne schnipsel daraus. mal ehrlich, ohne meine hilfe wäre die riesin doch völlig aufgeschmissen, oder?

wenn ich es aber richtig verstanden habe, sind die schnipsel, die kathrin hier in ihrem blog meint, ganz andere. die riesin hat mir erklärt, dass es ausschnitte von was größerem oder längerem sind. sie sollen appetit machen oder neugier wecken. das mit dem appetit machen finde ich quatsch. das ist doch überflüssig. ich habe immer appetit, den muss man mir nicht machen.

neugierig machen – das verstehe ich schon eher: das, was für die menschen schnipsel zum neugierig-machen sind, sind für uns verlockende düfte. wenn ich mit der riesin draußen unterwegs bin, kann es schonmal vorkommen, dass ich einem duft-schnipsel so vertieft folge, dass ich gegen irgendetwas laufe, und hören funktioniert auch nicht immer so richtig, schließlich muss ich mich voll auf meine nase konzentrieren. die riesin wird dann manchmal sauer. sie ist eben kein nasentier und versteht das nicht. sie sagt dann immer, ich funke nur auf einem kanal.

dabei ist das bei ihr doch ganz genauso: wenn sie vor ihrer flimmerkiste sitzt und sich einen medienschnipsel anschaut, kann ich daneben sitzen und noch so lieb gucken – sie merkt es einfach nicht. dabei kann ich das doch echt gut, das mit dem lieb-gucken:

ich muss dann schon den zweiten kanal dazuschalten und fiepen oder sogar bellen. dann lässt sie das mit ihren schnipseln und befasst sich mit mir. so ist das bei mir und der riesin mit den schnipseln und den verschiedenen kanälen: sie hat ihre und ich hab meine.

Links: www.worthauerei.de/dogblog, www.worthauerei.de

Der Schornstein der Firma Sebens in Leer und journalistische Recherche in Zeiten des Internet

Schornstein auf dem ehemaligen Gelände der Firma Sebens, Leer, Ostfriesland, am 5. August 2012 (Foto: K. Sebens)

Recherche ist für manche ein notwendiges Übel – wichtig ist sie auf jeden Fall, wenn man als schreibender oder sendender Journalist unterwegs ist. Dennoch, wer  für einen Termin mal gerade 20 Minuten Zeit hat, dem bleibt nicht die Muße, z.B. noch beim Stadtarchiv anzurufen, geschweige denn, vorbeizuschauen. Was neben dem einen Gesprächspartner nicht online zu finden ist, hat Pech gehabt – so ist manchmal mein Eindruck.

Reden ist immer gut – jetzt hat das Thema Recherche mich selbst erwischt – ich habe etwas gelesen über meine Familie, das wohl nicht ganz ausführlich recherchiert worden ist.

Ich war im August in Leer und habe mit meinem Bruder die Gräber der Familie Sebens auf dem alten Friedhof am Westerende besucht – beim Gang in die Stadt fiel uns auf: Der alte Schornstein auf dem ehemaligen Gelände der Spirituosenfabrik unseres Großvaters Johann Peter Sebens hat ein Gerüst und wird – renoviert!

Dann las ich den Artikel “Leer: Meisterwerk bleibt bestehen” in der  Ostfriesen-Zeitung darüber, dass die jetzigen Eigentümer von Haus und Grundstück, auf dem die alte Brennerei Sebens stand, Siegried und Rewert Wurpts, liebevoll den alten Schornstein restaurieren.

Autor Gerwin Gräfes Informationen über die Vorbesitzer erscheinen dann allerdings ein wenig lückenhaft, z.B. schreibt er:

“1832 erwarb die Familie Sebens Haus und Hof und betrieb dort eine Kaltbrennerei und eine Ziegelei. Um 1878 stieg das Unternehmen von Zement auf Schnaps um.”

Es war wohl doch ein wenig anders – und so war´s auch in der Ostfriesen-Zeitung zum 200-jährigen Jubiläum der Firma Sebens zu lesen.

Meiner Cousine Jutta Kajan, geb. Sebens, hat der aktuelle Artikel nun doch keine Ruhe gelassen und sie hat ihre Recherchen zur Familiengeschichte der Sebens an mich gemailt.

Um die Suchmaschinenoptimierung (SEO) in Sachen Sebens und ostfriesische Spirituosen ein wenig zu verbessern (weil Journalisten ja gerne was im Internet finden)  – hier die Infos:

1773:

Willm Jakob, ein aus Holland stammender Vorfahre der Fa. N.U. Sebens  und  unternehmender Bauer in Loquard, richtet auf seinem Hof neben der Vieh- und Landwirtschaft eine Kornbrennerei ein, um sein Korn wirtschaftlicher zu verwerten. Es ist die erste „Kurstokeree“ in Ostfriesland. Die  Wasserverhältnisse in der Krummhörn sind allerdings ungünstig.

1780

Willm Jakob wird angeklagt, durch Kühlwasser bei der Genever-Brenne die Wasserversorgung des Dorfes zu gefährden. (Ein schöner historischer Umweltskandal). Er verlegt seine Brennerei nach Leer in die Groninger Straße. Dort wird der Betrieb von seinem Sohn mit einer angegliederten Ochsenzucht fortgeführt.

Nach 1780 nehmen die Nachfolger von Willm Jakob den Namen Sebens (der Siebte) als Zusatz an.

1854

Nittert Ubben Sebens tritt in das Geschäft seines Onkels Nittert Ubben Meyer ein.  Er erwirbt 1858 die Brenngenehmigung, die ab jetzt vom  Staat käuflich erworben werden muss.

1902

Johann Peter Sebens übernimmt die Firma.  Durch den ersten Weltkrieg und die Inflation  wird die blühende Aufwärtsentwicklung zu Beginn des 20. Jahrhunderts  gestoppt.

1916

Rixtine, die Ehefrau von Johann Peter und Mutter seiner 5 Kinder Nittert Ubben, Richard, Georg, Irmgard und Hans-Jürgen stirbt. Der Jüngste (mein Vater) ist zu diesem Zeitpunkt 3 Jahre alt.

Durch den 2. Weltkrieg  wird das Unternehmen, das in über 150 Jahren zu einer Fabrik  aufgebaut worden war,  zerstört.

1946, Frühjahr

Die Familie Niekamp kauft Wohnhaus und  ehemaliges Fabrikgelände mit dem  25 m  hohen Fabrikschornstein.

1946, 22.8.

Tod von Johann Peter Sebens.

1948

Nach Einführung der D-Mark Wiederaufbau der Firma Sebens mit einer Likör- und Weinhandlung in der Brunnenstraße durch Georg Sebens, Vertreter der 5. Generation. (Dort liegt 1945-48 eine gut gehende Tauschzentrale).

1950

Die Fabrikation der Spirituosen wird in das Kasernengebiet und 1961 in die Löwenstraße verlegt.

Georg Sebens setzt im kleinen Maßstab die Tradition des Hauses Sebens  fort und produziert Liköre mit alten Rezepten der Vorfahren z.B. “Jantje sacht int Liev“ und „Alter Schwede“.

1970

Es gibt ein Verfahren vor Gericht zwischen Georg Sebens und der Firma Wein-Wolff, wer von beiden die älteste Spirituosen-Firma Ostfrieslands ist – Georg Sebens erhält den Anspruch, dass seine Firma die älteste Destillerie Ostfrieslands (seit 1773) ist.

1992

Die patentierten Schnäpse und Liköre, z.B. „Jantje sacht int Liev“,  werden an die Firma Wein-Wolff, Leer,  verkauft.

Literatur:

 

  1. Unser Ostfriesland „Aufstieg und Untergang der Brennereien“ von Gerd Saathoff,  Haxtum
  2. Ostfriesen-Zeitung, ein Artikel zur 200 Jahrfeier der Fa. N.U. Sebens im Jahr 1973 (genaues Datum fehlt)
  3. Ostfriesland v. 28.Juli 1981 „Der Seehund ist nicht schutzfähig“ 100-jähriger Streit um Warenzeichen einer Küstenspezialität
  4. Ostfriesen-Zeitung v.10. August 2012 „Handwerkliches Meisterwerk bleibt stehen“