Der MTV-Effekt auf Frauenstimmen

OK, ich oute mich: Seit ich 14 bin, bin ich ein Alt (tiefere Frauenstimme)  und stolz darauf. Umsomehr kratzt es mich im Ohr wie schiefgehaltene Kreide auf der Schultafel, wenn ich enge, hochgeschraubte Frauenstimmen höre, im Laden an der Wursttheke und – schlimmer noch: im Fernsehen und im Radio, Charlotte Roche z.B.

Der MTV-Effekt auf Frauenstimmen

Der VIVA- oder MTV-Effekt auf Frauenstimmen

Ich weiß, ich weiß, es geht darum, sich das innere Girly  noch möglichst lange zu erhalten, mit 30 noch wie ein kleines Mädchen zu klingen (bitte, bitte tu mir nichts!). Auch die Männer müssen sowas ja schön finden: Sich so einem Mädchen gegenüber zu finden, erhebt einen denn doch automatisch.

Und schon die Katze Katzenberger schreibt: “Sei schlau, stell dich dumm” und fährt phantastisch damit.

Nur meinen Ohren “rollen sich die Zehennägel hoch”… und nicht nur mir: Auch die Volontärsausbilder in den Funkhäusern haben´s gemerkt.

Wie geht´s euch?

Stimmtraining für Frauen, die in Führungspositionen wollen?

Kommen Frauen beruflich nicht so einfach in Führungspositionen, weil ihre Stimmen zu hoch sind? “Der Bass der Bosse” schreibt die “Süddeutsche Zeitung“(SZ) in einem Artikel auf ihrer Wissensseite und zitiert aus mehreren Forschungsergebnissen, die beschreiben, dass Menschen offensichtlich Chefs mit tiefer Stimme bevorzugen – egal ob das Männer oder Frauen sind.

Der Politologe Casey Klofstad von der University of Miami in Zusammenarbeit mit der Duke University hat in einer Studie 17 Frauen und zehn Männer zwischen 20 und 60 Jahren folgenden Satz sagen lassen: “Ich bitte dich dringend, mich zu wählen”. Dann erhöhten oder senkten die Forscher die Stimmlagen elektronisch und spielten sie 170 Probanden vor.

Ergebnis: Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen wollten lieber die Menschen mit den tiefen Stimmen wählen. (Voters Favor Deep-Voiced Politicians).

“Piepsen oder Brummen – natürlich entscheidet dieser Faktor nicht allein über Karrieren. Aber unsere Ergebnisse zeigen, dass man die Wahl von Führungskräften nur im Zusammenspiel mit biologischen Einflüssen verstehen kann”, sagt Klofstad in der SZ.

(Foto: wikipedia.org)

Der Theaterprofi Laurence Olivier machte spezielle Sprechübungen, bevor er den “Othello” von Shakespeare gab. Es wird gesagt, er habe über eine Stunde lang eine Herde Kühe angebrüllt, um seine Stimme für die Rolle des Mohren von Venedig genügend tief zu machen.

Auch eine tiefe Frauenstimme wird  als Zeichen von Stärke verstanden, haben polnische Anthropologen kürzlich herausgefunden – die meisten Menschen messen der Frau dann Souveränität und selbstbewusstes Auftreten zu.

Wer piepst, hat weniger Chancen, beruflich aufzusteigen? Die SZ zitiert sogar die Direktorin der Klinik für Phoniatrie der Uni Münster: “Zu uns kommen regelmäßig Frauen in Führungspositionen, die ganz bewusst versucht haben, ihre Stimme stark abzusenken, um männlicher zu klingen.” Die Frauen kamen dann mit Stimmbeschwerden in die Klinik.

Für Frauen – und Männer, die ihre Stimme und ihre Stimmlage optimieren wollen, gibt es einiges an Hilfe – noch bevor sie in die Klinik müssen.

Adressen von speziell ausgebildeten SprechtrainerInnen und Sprecherzieherinnen gibt es  z.B. bei der Deutschen Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung (DGSS).

Fragen oder weitere Tipps?

 

 

 

Positionierung – Elias Canetti und Hähnchenschlegel

Was hat ein mysogyner toter Schriftsteller mit einem Hähnchenschlägel-Produzenten (ebenfalls tot) zu tun?

Von einer guten Freundin bekam ich unlängst eine alte Ausgabe von Elias Canettis “Der Ohrenzeuge” geschenkt

http://goo.gl/0PCQ9. Zufälligerweise lag das Buch bei uns in der Küche herum.

Mein 15-jähriger Sohn sah das Buch und meinte nur: “KFC“. Ich machte zuerst “wie?” Dann kam mir die Erleuchtung:

Kentucky Fried-Chicken-Gründer Colonel Harland Sanders

(Foto:en.wikipedia.org)

Die beiden sehen sich ziemlich ähnlich, finde ich. Da hört es aber auch schon auf mit der Ähnlichkeit. Der Literatur-Nobelpreisträger schrieb sein Leben lang: Essays, Dramen, einen Roman und viele Aphorismen. Der Roman trug ihm den Literatur-Nobelpreis ein, aber irgendwie… Canetti lebte lange in ärmlichen Verhältnissen, derzeit scheint keines seiner Bücher mehr im Handel zu sein.

Der Fastfood-Colonel Harland Sanders dagegen hat sich ganz einfach positioniert: Hähnchenschlegel, Cole Slaw und Pommes gegen Hamburger und Pommes der Konkurrenz.

Meine These: Sich gut positionieren bringt zwar nicht unbedingt einen Literatur-Nobelpreis, aber es lässt sich ganz gut davon leben, zwar nicht mehr so gut in den USA, dafür aber haben die Chinesen den Colonel und seine Hähnchen schätzen gelernt…

Sich mit den richtigen Texten ins rechte Licht setzen

 

Schreiben kann jeder, der mal eine Schule besucht hat. Aber wenn das, was man so geschrieben hat, einen speziellen Zweck erfüllen soll, braucht es schon ein bisschen mehr.

Denkt man gar nicht, ist aber so.

Wer hat sich nicht mal so in ein Spezialthema eingearbeitet und dann in verständnislose Gesichter geschaut. Gerade Spezialisten, wie dieser Rundfunkkollege haben dann oft soviel Wissen auf der Pfanne, dass es schon ein paar Schachtelsätze sein müssen…

Ausstellung Mythos Olympia

Um keine Information zu verlieren, es aber für jeden verständlich zu machen, braucht man schon ein stilistisches Hackebeilchen und den klaren Vorsatz:

“Kill your Darlings”.

Manchmal muss man der Verständlichkeit z.B. zuliebe schon mal auf das Liebste in einem Text verzichten.

Mehr dazu von mir übrigens am Dienstag, 28.02.12, um 19.30 Uhr im Schlosshotel am Bahnhofsplatz in Karlsruhe. Da halte ich beim Unternehmerinnen-Netzwerk W.I.N. einen Vortrag zum Thema

“Setzen Sie sich mit den richtigen Texten ins rechte Licht”.

 Schon mal Fragen?